Gedanken zur Jahreslosung


Veröffentlicht am: 5. 1. 2014

„GOTT nahe zu sein, ist mein Glück“ Psalm 73,28

Da sitzt eine Runde wohlhabender mittelständischer Paare zusammen. Alles gut betuchte Doppelverdiener mit großen Häusern, einige mit Zweitwohnsitz und großen, schnellen Autos. Man erzählt von seinen gerade -glücklich- überstandenen Krankheiten, von der weiteren Karriere, vom abgesicherten Ruhestand, den begabten Kindern usw.. Einer sitzt dabei und denkt: `Mir geht es nicht gut. Meine gesundheitliche Situation lässt zu wünschen übrig. Meine Kinder machen mir Sorgen. Der eine muss das Schuljahr wiederholen, der andere wird in der Klasse gemobbt. Meine Frau ist überfordert mit der Doppelbelastung Familie und teilzeitliche Berufsarbeit. Und meine Firma steht auf der Kippe. Dabei habe ich doch vor vielen Entscheidungen gebetet, Gott um Rat gefragt. Warum lässt er mich hängen? Warum läuft alles schief? Hat Gott mich am Ende vergessen?

So könnte die Situation des Psalmdichters Asaph (ER -Gott- hat sich angenommen) auf die heutige Zeit übertragen aussehen. In dem Psalm 73 beschreibt er seine Situation. Er ist offensichtlich von einer längeren Krankheit verbunden mit Schmerzen geplagt. Aufgrund der Arbeitsunfähigkeit ist er verarmt und ohne Einkommen von Existenzsorgen geplagt. Er beobachtet die Menschen um ihn her, insbesondere die Lauten und Erfolgreichen, die das Glück gepachtet zu haben scheinen. Er stellt fest, dass sie nicht nach Gott fragen, sich keine Gewissen machen und sorglos dahinleben (V. 3, 6 – 9). Sie werden reich und scheinen unbändig glücklich (V. 17). Darüber gerät Asaph beinahe in Verzweiflung. Sollte alles umsonst gewesen sein? (V. 13 – 16). Er stellt fest: „Es war mir zu schwer. Ich begreife es nicht, kann mit keinen Reim draus machen und finde keinen Sinn darin. Ja, ich werde noch verrückt, wenn da so weitergeht?“ (V. 22)

Solch eine Situation kann auch einen Christen in die Enge treiben und den Nachtschlaf rauben. Wie kam es bei Asaph zu einem Umdenken, einer Kehrtwende, dass er ein solch wunderbares Bekenntnis aussprechen konnte? Er sagt selbst, dass ihn diese verzweifelnden Gedanken umtrieben bis er ins „Heiligtum Gottes“ ging, vermutlich die „Stiftshütte“ oder das „Zelt der Begegnung“, denn den Tempel gab es noch nicht. Er suchte die Begegnung mit dem lebendigen Gott im Gebet und der Kontemplation. Und im meditierenden Nachdenken über die Größe Gottes, seine wunderbare Schöpfung und fortwährende Erhaltung der Welt sowie dem Geschenk der Erlösung begann sich etwas zu verändern. Er sah das Ziel der Erlösung, die Ewigkeit bei Gott zu verbringen, mit dem Schöpfer auf Du und Du in vollkommener Harmonie leben zu dürfen (vgl. Obg. 21, 3 – 5). Und in der Begegnung mit seinem Gott wurde ihm eine neue Blickrichtung geschenkt. Er sieht nun aus der Perspektive der Ewigkeit auf einmal nicht nur den wirtschaftlichen Erfolg, die strotzende Gesundheit, den blendenden Reichtum und die großen Reden. Er sieht auf einmal das Ende des Menschen ohne Gott, die Nacht und Verzweiflung, die auf ein Leben ohne Gott folgt.

Und so fasst er seinen konkreten Entschluß zum „Dennoch“ des Glaubens: „Dennoch bleibe ich stets an Dir“ – im Hier und Jetzt, in den Krisen und Ungewißheiten meines Lebens, selbst wenn ich dabei „draufgehen“ sollte – denn DU ALLEIN BIST MEIN GOTT, DU BIST MEIN TROST, MEIN ANTEIL AM LEBEN. Und aus diesem Entschluß erwächst eine tiefe Freude und ein unbeschreibliches Glück, so dass er sagen kann: „Gott nahe zu sein, ist mein Glück.“ Oder anders ausgedrückt (wobei mir ehrlich gesagt, die Übersetzung Martin Luthers immer noch besser gefällt): „DAS IST MEINE FREUDE, DASS ICH MICH ZU GOTT HALTE UND MEINE ZUVERSICHT SETZE AUF GOTT, DEN HERRN.
Und daraus erwächst ein Auftrag für ihn, der auch gerade für uns als Missionsfreunde neu wichtig ist: „dass ich verkündige all Dein Tun.“ Das wollen auch wir tun, die Größe Gottes, seine Liebe und Barmherzigkeit den Menschen bekanntmachen, von dem reden, der den Verängstigten und Verzweifelten -und nicht nur ihnen- nahe kommen und ihnen sein Heil schenken will.

In diesem Sinn grüßt Euch Ihr lieben Freunde der LMÖ

Euer Siegfried Seitz, Missionsreferent